Grundschule Süd-West / Eschborn

Hintergrundinfos Schulhund

Was macht einen Schulhund aus und wie wird er ausgebildet?

Es gibt in Deutschland keine verbindlichen Standards für die Ausbildung von Schulhunden. Dennoch gibt es einige allgemein anerkannte Eigenschaften und Ausbildungsinhalte, welche ein Schulhund inne bzw. absolviert haben sollte. Meggi und Lilly haben etwas unterschiedliche Ausbildungen durchlaufen (s. Portraits Meggi & Lilly), erfüllen jedoch beide alle hier aufgeführten Eigenschaften.

Grundlegende Wesensmerkmale eines Schulhundes sind z.B.:
(vgl. schulhundweb.de)

  • keinerlei aggressive Ausstrahlung
  • am Menschen orientiert
  • keinen Herdenschutztrieb
  • Gehorsam
  • ruhiges Wesen
  • absolute Verträglichkeit mit Kindern
  • keinerlei Beißansätze
  • nicht bellfreudig
  • nicht sehr geräuschempfindlich
  • nicht ängstlich und unsicher
  • zeigen defensives Verhalten in Bedrängnis (d.h. zurückziehen ohne Aggressionsverhalten)

Bereits die Auswahl eines Hundes ist also von großer Bedeutung und muss von einem Experten durchgeführt werden. Im Falle von Meggi und Lilly war dies Tanja Kohl, Hessische Blindenführhundschule Blickpunkt GmbH.
Die Ausbildung muss neben einer sehr guten Sozialisation im Welpenalter mit anderen Tieren und Menschen auch die Gewöhnung an und die Desensibilisierung von zu erwartenden Umweltreizen enthalten. Der Geräuschpegel und die Eindrücke in einer Schulklasse müssen einem Schulhund vertraut gemacht und positiv verknüpft werden.
Eine gute Unterordnung, d.h. Grundgehorsam einschließlich Kommandos wie z.B. Sitz, Platz und guter Leinenführigkeit sind eine weitere grundlegende Voraussetzung. Hier ist zum Beispiel die standardisierte Begleithundeprüfung des Verbandes für das deutsche Hundewesen (VDH) allgemein anerkannt. Jede Therapiehundausbildung umfasst ebenfalls diese Elemente.
Eine hohe Toleranz und Reizschwelle z.B. gegenüber ungeschickten Berührungen oder vermeintlich bedrohlicher Körpersprache sind ebenfalls wichtig.
Darüber hinaus sollten natürlich einige Tricks wie das Apportieren oder Suchspiele im Repertoire des Schulhundes vorhanden sein, auch wenn diese für die positiven Auswirkungen gar nicht zwingend notwendig sind, sondern vielmehr eine Abwechslung im Alltag von Schülern und Hund darstellen.

Ziele der tiergestützten Pädagogik

Untersuchungen der letzten Jahre belegen die positive Wirkung eines Hundes in Schulklassen. Als Fell- und Streicheltier besitzt er einen besonders hohen Aufforderungscharakter und spricht das Kind auf mehreren Ebenen an:

Sozial-emotionaler Bereich

Die Kinder fühlen sich von dem Tier angenommen, unabhängig von Geschlecht, Nationalität oder Behinderung. Ängstliche Kinder zeigen mehr Selbstbewusstsein, aggressive Kinder üben empathisches Verstehen und Rücksichtnahme. In der Klassengemeinschaft fördert die Anwesenheit eines Hundes den Kooperationswillen der Kinder und das Verantwortungsgefühl durch die Übernahme verschiedener Pflegeaufgaben.

Kognitiver Bereich

Die Schülerinnen und Schüler verfolgen aufmerksamer den Unterricht und können sich schneller auf die Arbeit einlassen. Zurückhaltende Schüler können über den Hund motiviert werden, eine Aufgabe „mit seiner Hilfe“ zu lösen. Das laute Vorlesen zum Beispiel kostet weniger Überwindung, wenn der Hund als „Zuhörer“ fungiert.

Motorischer Bereich

Durch das Streicheln des Fells werden u.a. Spannungen abgebaut, Grob- und Feinmotorik können spielerisch durch verschiedene Übungen mit dem Tier trainiert werden.

Zudem wird Lilly in der Arbeit mit einzelnen Schülerinnen und Schülern eingesetzt, um diese im Bereich der sozial-emotionalen Entwicklung zu fördern. Im Austausch mit den entsprechenden KlassenlehrerInnen werden für den Schüler/die Schülerin Ziele formuliert, z.B. Förderung der Konzentrationsfähigkeit, Handlungsplanung, Stärkung des Selbstvertrauens.

Grenzen der tiergestützten Pädagogik

(vgl. schulhundweb.de)

Auch ohne direkte Einbindung des Hundes stellt die Schule mit den unterschiedlichen Menschen, Geräuschen und Aktionen eine hohe Belastung für den Hund da. Er kann nur zeitweise aktiv in den Unterricht eingebunden werden. Sehr wichtig ist eine genaue Beobachtung des Hundes, um Stresssymptome schnell zu erfassen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Um einen Hund regelmäßig, effektiv und ohne Überforderung im Unterricht einsetzen zu können, müssen vielfältige Rahmenbedingungen erfüllt werden.
Das Hilfsmittel Hund kann nicht wie ein Computer oder eine Videokamera nach Belieben ein- und ausgeschaltet werden bzw. über Wochen unbeachtet im Schrank liegen. Ein Hund ist ein Mitglied im Familienverband und beeinflusst auch hier die Interaktionen.
Bei längeren Veranstaltungen, an denen der Hund nicht teilnehmen kann, im Krankheitsfall des Besitzers oder des Hundes, im Urlaub - immer wieder ist der Lehrer auf die Unterstützung anderer Personen zur Betreuung des Hundes angewiesen.
Ebenso muss der Lehrer für Möglichkeiten zum körperlichen und psychischen Ausgleich des Hundes durch entsprechende Aktivitäten außerhalb des Schulalltags sorgen.

Wie wurde das Projekt an der Schule realisiert?

Die Spenden ortsansässiger Firmen ermöglichten die Finanzierung von Meggis und Lillys Anschaffung und Ausbildung. Die Schulgremien der Grundschule Süd-West stimmten dem Projekt zu. Je eine Kollegin erklärte sich bereit, die permanente Betreuung und Erziehung der jeweiligen Hündin außerhalb der Unterrichtszeit sowie die Arbeit mit dem Tier im Unterricht zu übernehmen. 

Konkrete Umsetzung

Mit der Schulanmeldung wird das Einverständnis der Eltern eingeholt, dass ihr Kind die Klasse mit Schulhund besuchen darf. Den Schulvormittag verbringen Meggi und Lilly im Unterricht. Im Klassenraum bewegen sie sich frei oder sie werden in bestimmten Situationen, z.B . während der Frühstückspause auf ihre Decke geschickt. Meggi und Lilly gehen freundlich auf die Schüler zu, lassen sich streicheln oder werden bei verschiedenen Aufgaben von der Lehrerin als Motivationsfaktor hinzugezogen (z.B. Rechenaufgaben würfeln). Die Schülerinnen und Schüler übernehmen abwechselnd den „Meggi-“ bzw. „Lilly-Dienst“ und sorgen täglich für frisches Wasser und aufgeräumte Hundespielsachen. 

Schulhundhygiene und Gesundheitsvorsorge

(vgl. schulhundweb.de)

Ein Schulhund muss artgerecht versorgt und gepflegt werden. Dazu gehören regelmäßige Tierarztbesuche einschließlich der Einhaltung vorgeschriebener Intervalle für Impfungen, Entwurmung, und Ektoparasiten-Prophylaxe (gegen Flöhe, Zecken, etc.)
Gleichzeitig muss im Umgang zwischen Schulhund und Mensch Rücksicht herrschen, um Kratz- und Bisswunden zu vermeiden.
Regelmäßige Handhygiene ist  selbstverständlich, insbesondere nach dem direkten Kontakt mit dem Hund.
Die Schulhunde der Grundschule Süd-West haben darüber hinaus keinen Zugang zur Küche oder anderen Hygienebereichen.
Durch die rechtzeitige Einbindung der Eltern und das Einholen von Einverständniserklärungen wird zudem der Kontakt zu Schülern mit Tierhaarallergie oder anderen gesundheitlichen Problemen vermieden.